Kinderkrankenhaus in Indien
Im Jahre 2002 riefen die Künstlerin Gerdi Gutperle und ihr Mann Werner Gutperle die Gerdi-Gutperle-Stiftung zur Unterstützung notleidender Kinder in der Dritten Welt ins Leben.
Am 19.3.2008 konnte nach dreijähriger Bauzeit das „Gerdi-Gutperle-Agasthya-Muni-Child-Care-Center" oder auch GGAMCCC, in Sahaya Nagar Vellamadam, nahe der südindischen Stadt Nagercoil, eingeweiht werden. Mitinitiator war der Begründer der Myoreflextherapie, Dr. Kurt Mosetter.
„To make a quality integrated health care system accessible and affordable for the wholistic well being of all needy children irrespective of caste and creed" - so lautet das Motto des GGAMCCC.
Inmitten von Kokosnusspalmen und Reisfeldern am Ende des Western Ghat Gebirges befindet sich ein hochmodernes Krankenhaus in welchem ein interdisziplinäres Team von Ärzten, Schwestern und Therapeuten täglich zwischen 100 und 200 Kindern bestmögliche medizinische Betreuung ermöglicht. Nach modernstem Standart wurde eine Notfallambulanz, eine Intensiveinheit für Neugeborene und Säuglinge, 3 Operationssäle, eine zahnärztliche Abteilung sowie 120 stationäre Betten eingerichtet.
Vier Mal in der Woche fährt ein Team aus Schwestern und Ärzten in die Tsunami-Camps, um dort in enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Kindergärten oder Schulen ein Screeningprogramm für die 0-6jährigen durchzuführen. Vor Ort werden so weitere 80 bis 150 Kinder pro Tag gesehen und bei akuten Krankheiten sofort behandelt.
Unterernährung, mangelnde Hygiene, oft örtlich weit entfernte ärztliche Versorgung, die zudem unerschwinglich ist, verursachen zahlreiche gesundheitliche Probleme. Insbesondere frühe Infektionen des Gehirns sind für spastische Lähmungen verantworlich und so ist der Zudrang an Kindern für die Myoreflextherapie besonders groß. Schnell zeigte sich daher die Notwendigkeit, eine ambulante Rehabilitationsabteilung aufzubauen und die vorhandenen Physiotherapeuten in Myoreflextherapie auszubilden.
So kam über Fr. Kaess, die seit August 2008 beim Aufbau des Child Care Centers behilflich ist und insbesondere die homöopathischen und ärztlichen Kontakte vor Ort aufbaut, der Kontakt zum GGAMCCC zustande. Nach früheren Einsätzen in Kenia und Pakistan wurde durch dieses Projekt ein alter Wunsch nach Hilfe für die Ärmsten wiederbelebt.
Weihnachten 2008 fuhr ich dann gemeinsam mit Fr. Kaess zum ersten Mal nach Nagercoil mit dem Hauptziel, die dortigen Therapeuten in Myoreflextherapie zu unterrichten. Es fand sich eine hochinteressierte, bereits mit sehr guten Grundlagen ausgestattete kleine Gruppe, welche nun in 2 Wochen ausreichend Kenntnisse in der Myoreflextherapie erwerben sollte, um anschliessend alleine weiterarbeiten zu können.
Begegnungen mit vielen kleinen Patienten, die Krankheitsbilder aufwiesen, wie sie in Europa nur noch im Lehrbuch vorkommen, forderten mein ganzes Können und Aufmerksamkeit.
Als langjähriger Oberarzt des Olgahospitals in Stuttgart und aufgrund meiner Erfahrungen als Kinderorthopäde konnte ich viele Eltern beraten und neue Therapiewege aufgezeigen. Zusammen mit dem Verwaltungsdirektor Patrick Xavier erstellten wir Pläne für den Aufbau einer Rehabilitationsabteilung, in welchem neben Physiotherapie mit dem Schwerpunkt Myoreflextherapie auch ein Ergotherapeut sowie die beiden Kinderärzte Dr. Henry Nirmal für Homöopathie, sowie Dr. Sibe Marie für Siddha-Medizin ( die tamilische Variante von Ayurveda), arbeiten sollten.
Der Operationsbereich wurde inspiziert, Verbesserungen erarbeitet .Ein Tag Mitarbeit in einem Camp erfolgte, welcher noch einmal die Notwendigkeit einer guten medizinischen Versorgung vor Augen führte.
Als weitere Aufgabe wurde unter meiner Leitung am 27.12.09 das erste Myoreflexseminar für Physiotherapeuten abgehalten.Unsere beiden Therapeuten hatten 35 Kollegen eingeladen, welche sehr interessiert teilnahmen und viele boten danach spontan ihre Unterstützung für das Child Care Center an.
Im Februar 2009 setzten dann die Myoreflextherapeuten Brigitte Harrer und Justin Guest die Arbeit mit den Physiotherapeuten fort.
Zusammen mit Gerdi Gutperle und Brigitte Harrer reisten Fr. Kaess und ich dann im August 2009 wieder an die Südspitze Indiens. Zunächst waren wir doch sehr überrascht, wie sehr die Abteilung gewachsen war. Mittlerweile werden bis zu 50 Kinder täglich in der Reha-Abteilung gesehen und die „Reha" ist der heimliche Star des Krankenhauses. Viele Kinder kommen regelmäßig und profitieren sehr von einem interdisziplinären Therapieansatz.
Neu hinzugekommen ist der Ergotherapeut Charles, dessen Hochzeit wir im Januar besuchten. In Schweden ausgebildet arbeitet er mit den behinderten Kindern nach neuesten Konzepten. Sein besonderer Schwerpunkt liegt auf authistischen und hyperaktiven Kindern.
Als Leiterin der Abteilung wurde die Rehabilitationsmanagerin Monic eingestellt, welche bereits große Erfahrung aus anderen NGOs (Nichtregierungsorganisationen) mitbringt.
Mit viel Geschick und Einfühlungsvermögen legt sie Therapiepläne fest und kontrolliert deren Abläufe und Erfolge.
Viele bekannte und neue kleine Gesichter überzeugten mich persönlich von dieser Arbeit und so konnten wir zusammen mit den Therapeuten vor Ort in kleinen Unterrichtseinheiten und täglichen Fallbesprechungen unsere Aufgabe fortsetzen.
Das 2. Myoreflexseminar wurde abgehalten. Diesmal lag der Schwerpunkt eher auf den KID Übungen. Viele Teilnehmer des ersten Seminares kamen und so fand wieder ein sehr lebendiger kollegialer Austausch statt.
Eine erste Teamsitzung mit den ärztlichen Kollegen wurde abgehalten. Planungen für weitere gemacht. Nachdem eine indische Arbeitserlaubnis vorlag, konnte ich zum ersten Mal selbst den modernen OP-Saal nutzen.
Viele kleine und große Patienten wurden behandelt, beraten und mit neuen Wegen nach Hause geschickt. Die besondere Herausforderung liegt darin, den Eltern umsetzbare Möglichkeiten an die Hand zu geben. Es ist wenig sinnvoll, in der Klinik Übungen an modernsten Therapiegeräten anzuwenden, die zuhause keine Umsetzung finden können..
Die Eltern müssen daher geschult und angeleitet werden wie sie die natürlichen Gegebenheiten ihrer häuslichen Umgebung zu Therapiezwecken nutzen können.
Hier bietet die Myoreflextherapie einen deutlichen Vorteil gegenüber anderen Therapieverfahren.
Nach 2 arbeitsintensiven Wochen flogen wir Anfang September wieder nach Deutschland, nicht ohne einen nächsten Aufenthalt im Januar 2010 bereits wieder ins Auge zu fassen.
Aktuell befindet sich das Child Care Center nach eineinhalbjährigem Bestehen noch in der Aufbauphase. Es ist in seiner Art bereits jetzt einzigartig in Südindien und soll als Modell für ein gelungenes Teamwork zwischen Schulmedizin und Naturheilverfahren für die ganze Region dienen.
Als „Child Care Center" konzipiert, liegt das besondere Interesse aber auch auf der Ausbildung der Eltern, ihren Kindern mehr Hygiene, bessere Ernährung unter örtlichen Gegebenheiten und Selbsthilfe bei kleineren Unpässlichkeiten anbieten zu können.
Der liebevoll angelegte Heilpflanzengarten bietet eine Möglichkeit, Menschen wieder mit der Heilkraft ihrer Umgebung in Kontakt zu bringen.
Ärztlich beraten wird das GGAMCCC aktuell durch Drs. Eberhard Joerg, Manuela Kaess und Kurt Mosetter, administrative Unterstützung erfährt es durch die Unternehmensberaterin Barbara Lietz. Finanziell und ideel getragen wird es durch das große Engagement der Künstlerin Gerdi Gutperle. Der gesamte Verkaufserlös ihrer Werke fliesst ohne Abzüge in diese Aufgabe.
Sämtliche Unterstützung aus Deutschland findet auf ehrenamtlicher Basis statt.

Link zu: http://myoreflex.de/indien-projekt.html
